19. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung, Bielefeld 1995

Wartezeiten zur koronaren Bypassoperation im Raum München in Abhängigkeit von Dringlichkeit und Krankenversicherung: Eine prospektive, randomisierte Studie.

Silber S, Mühling H, Dörr R, Preuss A, Stümpfl A

Kardiologische Gemeinschaftspraxis in der Klinik Dr. Müller, München

Z Kardiol 84:(Suppl.3), 43, (1995)

Das Risiko und die Zumutbarkeit von Wartezeiten für Herzoperationen werden kontrovers diskutiert. Deshalb führten wir bei unseren Patienten eine prospektive Studie mit randomisierter Anmeldung im Raum München durch (über 500 Patienten). Notfälle (2%) sollten am gleichen Tag operiert werden, sehr dringliche Fälle (37%) innerhalb von 5 Tagen, nicht so dringliche (61%) innerhalb von 4 Wochen.

Ergebnisse:
Alle Notfälle konnten noch am gleichen Tag operiert werden. Sehr dringliche Pat. mit gesetzlicher Krankenversicherung (GKV) mußten zu 84% den Raum München verlassen, während sehr dringliche Pat. mit privater Krankenversicherung (PKV) nur zu 25% außerhalb Münchens operiert wurden. Nicht so dringliche Pat. mit GKV konnten zu 79% im Raum München operiert werden, nicht so dringliche Pat. mit PKV zu 92%. Unabhängig vom Versicherungsstatus betrug die Wartezeit für sehr dringliche Pat. im Mittel 9 Tage. Im Gegensatz hierzu mußten nicht so dringliche Pat. mit GKV im Mittel doppelt so lange warten (60 Tage) wie nicht so dringliche Pat. mit PKV (30 Tage). Das Risiko, auf der Warteliste zu versterben, betrug 1% pro Monat.

Schlußfolgerungen:
Die Versorgung von Notfällen ist im Raum München kein Problem. Sehr dringliche Pat. mit GKV werden zur Herzoperation 4,5 mal häufiger von ihren Familien getrennt als Pat. mit PKV. Nicht so dringliche Pat. mit GKV müssen im Vergleich zur PKV doppelt so lange warten. Somit ergeben sich für Pat mit GKV und PKV unterschiedliche Risiken für die Wartezeit bis zur Operation.