Kardiologie

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"Strahlender" Durchbruch für die Therapie der In-Stent-Restenose

Silber S

Kardiologische Gemeinschaftspraxis in der Klinik Dr. Müller, München

CardioNews Nr. 4, 9-10, (1999)

Obwohl das Auftreten einer Restenose nach PTCA bei ca. jedem 10. Patienten durch eine Stentimplantation reduziert werden kann (BENESTENT und STRESS), bleibt die Häufigkeit von in-Stent-Restenosen mit ca. 30 % unverändert. Dies liegt u. a. daran, daß neuere und flexiblere Stents zunehmend auch in längerstreckigen Stenosen und/oder Koronararterien kleinerer Durchmesser mit somit erhöhtem Restenoserisiko eingesetzt werden. Die Restenoserate blieb in einer Vielzahl von Medikamentenstudien (einschließlich erster Ansätze einer Gentherapie) praktisch unbeeinflußt [2]. Auch eine Materialabtragung mittels Atherektomie, Laser oder Rotablation löst das Problem der in-Stent-Restenose nicht, die Restenoserate einer diffusen in-Stent-Restenose beträgt ca. 50 % [4]. Somit stellt die in-Stent-Restenose ein bedeutendes medizinisches und sozio-ökonomisches Problem dar.

Die intrakoronare Bestrahlung (Brachytherapie) zur Verhinderung einer Restenose durch Hemmung der Proliferation glatter Muskelzellen (der Intima und Media) sowie Hemmung der Myofibroblasten (Adventitia), scheint sich als erste klinische Indikation für die Therapie einer in-Stent-Restenose herauszukristallisieren [1-8]: für die Verwendung von Gammastrahlen (Iridium-192) zeigte sich in der placebokontrollierten SCRIPPS-I Studie an 55 Patienten erstmals ein hochsignifikanter Effekt ([5], Tabelle). Die Überlegenheit der Brachytherapie bleibt auch über 2 Jahre erhalten, so daß eine eventuell verzögert auftretende Restenose ausgeschlossen ist [6]. Als Höhepunkt der bislang durchgeführten Brachytherapiestudien zur in-Stent-Restenose ist die WRIST-Studie an 130 Patienten zu bezeichnen ([8], Tabelle): In dieser am Washington Hospital Center (WHC) durchgeführten single-center Studie konnte die in-Stent-Restenoserate von 58 % auf 19 % reduziert werden, die quantitative Auswertung der selben Koronarangiogramme im Thoraxzentrum Rotterdam ergab eine in diesem Bereich liegende Reduktion der in-Stent-Re-Restenose von 48 % auf 16 % (Tabelle). Die "target lesion revascularisation" (TLR) konnte drastisch von 63 % auf 14 % gesenkt werden. Gestützt werden diese Daten durch die (nicht randomisierte) ARTISTIC-Studie mit einer in-Stent-Restenoserate von 13 % und einer auffallend niedrigen TLR von 4 % ([7], Tabelle).



Einschränkend muß betont werden, daß die Verwendung von Gammastrahlen im Herzkatheterlabor zu erheblichen Strahlenschutzauflagen führt. Wenn es gelingt, die initial positiven Daten für Betastrahlen (BERT [1]) auch für die in-Stent-Restenose zu belegen (Beta-WRIST, START), könnte die Therapie der in-Stent-Restenose in Zukunft auch mittels der hinsichtlich des Strahlenschutzes wesentlich einfacher handzuhabenden Betastrahlen durchgeführt werden.


Literatur:

1. King SB, Klein L, Williams DO, Bonan R, Waksman R, Crocker IR. The Beta Energy Restenosis Trial: Updated Reults and Subgroup Analysis. Circulation 98: I-651, 1998
2. Silber S: Restenose und intrakoronare Bestrahlung. In: 'Aktuelle Trends in der invasiven Kardiologie 1998' (Eds. R. Bach, S. Spitzer), AKA Verlag Berlin, 101-110, 1998
3. Silber S, Bauer A, von Rottkay P. Intrakoronare Brachytherapie mit Strontium/ Yttrium-90: Erste Erfahrungen in Deutschland. Z Kardiol 87: 102, 1998
4. Silber S, Seidel N, Mühling H, Krischke W, Gessler B. Rotablation is not the Cure for Diffuse in-stent Restenosis. Circulation 98: I-511, 1998
5. Teirstein PS, Massullo V, Jani S, Popma JJ, Mintz GS, Russo RJ, Schatz RA, Guarneri EM, Steuterman S, Morris NB, Leon MB. Catheter-based radiotherapy to inhibit restenosis after coronary stenting. N Engl J Med 336: 1697-1703, 1997
6. Teirstein PS, Massullo V, Jani S, Russo RJ, Cloutier DA, Schatz RA, Guarneri EM, Steuterman S, Sirkin K, Norman S, Tripuraneni P. Two-year follow-up after catheter-based radiotherapy to inhibit coronary restenosis. Circulation 99: 243-247, 1999
7. Waksman R, Porrazzo MS, Chan RC, Morris NB, Sherman W, Pisch J, McDermott D, Liprie SF, Charles L, Popma JJ, Lanoue AS, Ricci NA: Results from the ARTISTIC Feasibility Study of 192-Iridium Gamma Radiation to Prevent Recurrence of In-stent Restenosis. Circulation 98: I-442, 1998
8. Waksman R, White L, Chan RC, Porrazo MS, Bass BG, Satler LF, Kent KM, Geirlach LM, Mehran R, Murphy M, Mintz GS, Leon MB. Intracoronary Radiation Therapy for Patients with In-stent Restenosis: 6 month Follow-up of a Randomized Clinical