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Herz 25: 143 - 150, 2000
Zweiter und dritter Jahresbericht des BNK zur Qualitätssicherung in der Invasivkardiologie
Sigmund Silber (1), Benny Levenson (2), Rainer Schräder (3), Martin Kaltenbach (4)
1. Herzkatheterlabor der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis
in der Klinik Dr. Müller, Am Isarkanal 36, 81379 München
2. Kardiologische Gemeinschaftspraxis, Pestalozzistr. 38, 10627
Berlin
3. Cardioangiologisches Centrum Bethanien, Im Prüfling 23,
60389 Frankfurt
4. Falltorweg 8, 63303 Dreieich-Buchschlag
Der BNK ist seit 1995 stark in der Qualitätssicherung der Invasivkardiologie engagiert und hat 1996 mit der papierlosen Erfassung wichtiger Daten für diagnostische Linksherzkatheter (LHK) und Koronarinterventionen (PTCA) begonnen. Die folgende Analyse beruht auf insgesamt 72777 Herzkatheter, hiervon 54513 LHK und 18264 PTCA (LHK für 1996: 10316, 1997: 15692 und 1998: 28505; PTCA für 1996: 2597, 1997: 5600 und 1998: 10067). Das mittlere Patientenalter lag für Männer bei 61,9 und für Frauen (31%) bei 65,3 Jahren. Die LHK wurden bei ca. 60% ambulant durchgeführt. Der "Selbstüberweisungsanteil" liegt bei ca. einem Drittel und hat im Verlauf der Jahre nicht weiter zugenommen. Ein Z. n. PTCA lag bei 21% vor, Patienten nach Bypassoperation zeigten einen geringen aber kontinuierlich ansteigenden Trend, nachkathetert zu werden (bis zu 8 % der Patienten). Auffallend war ein deutlicher Rückgang des Kontrastmittelverbrauchs von im Mittel 164 ml (1996) auf 138 ml (1998). Die zum LHK führende Symptomatik hat sich in den Jahren 1996 bis 1998 nicht wesentlich geändert, auch ist das angiographische Ausmaß des Koronarbefalls und der Schweregrad der Pumpfunktionseinschränkung des Myokards im wesentlichen gleich geblieben. Bei den Therapievorschlägen scheint sich ein zunehmender Trend zur medikamentösen Therapie mit einem rückläufigen Trend für PTCA (20%) und operativem Vorgehen (16%) abzuzeichnen. Die mittlere Dauer des PTCA-Eingriffs ging von 1997 bis 1999 von 57±8 auf 44,6±25 Minuten zurück. Die Erfolgsrate blieb sowohl für Koronarstenosen als auch für Rekanalisationen chronischer Verschlüsse in der Tendenz gleich. Komplikationen bei PTCA: Die Häufigkeit akuter Koronarverschlüsse und die der notfallmäßigen Bypassoperationen lag bei 2% bzw. 0,4%, die Mortalität betrug 0,1%.
Second and Third Annual Report of the German Society for Cardiac Angiography and Interventions in Private Practice (BNK) regarding Quality Assurance
Since 1995, the German Society for Cardiac Angiography and
Interventions in Private Practice (BNK) has been intensely involved
in quality assurance; since 1996, it has registered relevant data
for diagnostic left heart catheterization (DIAG) and coronary
interventions (PTCA). The following data are based on a total
of 72,777 cardiac catheters, of which 54,513 were DIAG and 18,264
were PTCA (DIAG in 1996: 10,316; in 1997: 15,692 and in 1998:
28,505. PTCA in 1996: 2,597; in 1997: 5,600 and in 1998: 10,067).
The mean patient age was 61.9 years for males and 65.3 years for
females (31%). DIAG was performed on an out-patient basis in 60%
of the cases. The proportion of self-referrals is ca. one-third
and has not increased over time. A s/p PTCA was present in 21%
of the DIAG patients; those after coronary bypass surgery showed
a steadily increasing trend towards a follow-up DIAG (8% of the
patients). There was a distinctive decrease in the use of contrast
medium from an average of 164 ml (1996) to 138 ml (1998). The
symptoms leading to DIAG did not substantially change in the years
from 1996 to 1998; the angiographic range of the coronary disease
and the degree of an impaired myocardial function have remained
virtually unchanged. The treatment recommendations appear to tend
towards medical therapy with decreasing indications for PTCA (20%)
and open heart surgery (16%). The mean duration of a PTCA procedure
decreased from 57 ± 8 (1996) to 44.6 ± 25 (1998)
minutes. The success rates remained unchanged for coronary stenoses
as well as for recanalization of chronic total occlusions. PTCA
complications: the incidence of abrupt coronary occlusions was
2% and of emergency bypass surgery 0.4%; mortality was 0.1%.
Die Qualitätssicherung bzw. Qualitätskontrolle dient einerseits der besseren Patientenversorgung durch ständige Angleichung an neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Leitlinien , andererseits geht man davon aus, daß Qualitätssicherung auf Dauer auch zu einer Kostensenkung führen kann [1, 6, 10, 13, 34, 38, 44, 49, 51]. Hierbei darf nicht vergessen werden, daß das primäre Ziel einer Qualitätssicherung für uns Ärzte in einer Milderung des Krankheitsverlaufes (Reduktion von Mortalität und Morbidität) und in einer erhöhten Patientenzufriedenheit liegen muß und weniger in der Einhaltung eines - wenn auch notwendigen - Budgets [8, 27, 52]. Unabhängig hiervon ist eine Qualitätssicherung im Sozialgesetzbuch vorgeschrieben und durch die zum 1. 1. 2000 in Kraft getretene Gesundheitsreform sowohl für Vertragsärzte (§ 136 a+b) als auch für Krankenhäuser (§ 137 b+c) weiter verstärkt worden [14].
Der Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) ist seit 1995 [53] im Rahmen einer Eigeninitiative stark in der Qualitätssicherung der Invasivkardiologie engagiert und hat 1996 mit der papierlosen, d.h. elektronischen Erfassung wichtiger Eckdaten für diagnostische Linksherzkatheter (LHK) und Koronarinterventionen (PTCA) begonnen. Nachdem die Ergebnisse für 1996 publiziert sind [57], faßt die vorliegende Arbeit den zweiten und dritten Jahresbericht des BNK für 1997 und 1998 zusammen.
METHODIK
Software:
Die Einzelheiten für die Entwicklung der verwendeten Software und den Basis-Datensatz wurden bereits früher ausführlich geschildert [54]. Die Applikation - früher AgiK (Arbeitsgruppe interventionelle Kardiologie) genannt wurde dann in QuiK (Qualitätssicherung invasive Kardiologie) umbenannt. QuiK läuft auf Windows 95, Windows 98, Windows-NT 4.0 und Novell Betriebssystemen.
Den Teilnehmern steht grundsätzlich frei, ob sie das vorgefertigte Programm "schlüsselfertig" auf einem zu diesem Zwecke eingerichteten Computer benutzen oder den standardisierten Datensatz aus dem jeweils im Katheterlabor verwendeten Programm (z. B. FileMakerPro oder Kardas usw.) exportieren und zur zentralen Datenauswertung einsenden wollen. Die zentrale Analyse (Fa. I. Schmidt) ist anonym, lediglich dem Mentor, Prof. Kaltenbach, ist die Herkunft der Daten bekannt.
Monitoring:
In regelmäßigen Abständen besuchen sich - in Analogie zu anderen Strukturen [35, 62] - die Teilnehmer gegenseitig und prüfen stichprobenartig die Eingabetreue. Die Entblindung für den Mentor gestattet darüber hinaus gezielte Prüfungen schwerer Komplikationen, insbesondere von Todesfällen.
Teilnehmer:
Während 1996 neun Katheterpraxen an diesem freiwilligen Projekt teilnahmen [57], kam 1997 die Praxis Drs. W. Haerer/R. Schulze, Ulm dazu und 1998 weitere 12 Praxen des Projektes "Qualitätssicherung LHK/PTCA" der KV Hessen [20]. Die Daten für 1998 stammen somit aus insgesamt 22 kardiologischen Praxen mit Herzkatheterlabor. Die Anzahl der ausgewerteten diagnostischen Linksherzkatheter beträgt 1996: 10316, 1997: 15692 und 1998: 28505. Die Anzahl der erfassten PTCA betrug 1996: 2597, 1997: 5600 und 1998: 10067. Somit beruhen die folgenden Daten auf insgesamt 72777 Herzkatheter, hiervon 54513 diagnostische und 18264 therapeutische Linksherzkatheter.
ERGEBNISSE
Diagnostische Linksherzkatheter (LHK):
Die wichtigsten demographischen Daten sowie Vorbefunde für die Jahre 1997 und 1998 im Vergleich zu 1996 sind in Tabelle 1 dargestellt. Aus Tabelle 2 ist die Verteilung der Symptome und Befunde sowie der Therapievorschläge für die Jahre 1996 bis 1998 ersichtlich. Die wichtigsten Komplikationen sind in Tabelle 3 aufgeführt.

Tabelle 1: Demographische Daten, Vorbefunde und technische
Durchführung diagnostischer Linksherzkatheter (LHK) 1997
und 1998 im Vergleich zu 1996.

Tabelle 2: Symptome, Befunde und weiteres therapeutisches Vorgehen bei diagnostischen Linksherzkatheteruntersuchungen (LHK) 1997 und 1998 im Vergleich zu 1996.

Tabelle 3: Komplikationen (Summe aus Akutkomplikationen und
vierwöchiger Nachbeobachtung) bei diagnostischen Linksherzkatheteruntersuchungen
(LHK) und Koronarinterventionen (PTCA) für 1996 bis 1998
(Angaben in %).
Koronarinterventionen (PTCA):
Aus Tabelle 4 gehen die wichtigsten demographischen Daten, die Zusammensetzung des Krankengutes sowie charakteristische Eckdaten für die PTCA hervor. Die Akutkomplikationen sind Tabelle 4 zu entnehmen. Die Summe der Komplikationen, die einschließlich der Nachbeobachtung in den folgenden 4 Wochen auftraten, ist in Tabelle 3 zusammengestellt.

Tabelle 4: Demographische Darstellung, Überweisungsverhalten, Zusammensetzung des Patientengutes sowie Charakteristik der PTCA einschließlich der Akutkomplikationen für die Jahre 1997 und 1998 im Vergleich zu 1996.
DISKUSSION
Diagnostische Linksherzkatheter (LHK):
Die Analyse der LHK ergibt einen ziemlich konstanten Anteil der Zusammensetzung des Patientengutes (Tab. 1). Auffallend ist der geringe, aber kontinuierliche Trend einer Abnahme ambulanter diagnostischer Herzkatheter (Tab. 1). Der "Selbstüberweisungsanteil" liegt bei ca. einem Drittel und hat nicht weiter zugenommen (Tab. 1). Patienten nach Bypassoperation zeigen einen geringen, aber kontinuierlich ansteigenden Trend, nachkathetert zu werden (Tab. 1). Auffallend war ein deutlicher Rückgang des Kontrastmittelverbrauchs, im Mittel um etwa 26 ml von 1996 bis 1998 (Tab. 1). Dies könnte auf eine erhöhte Sparsamkeit der Untersucher und/oder auf eine mögliche Zunahme der Verwendung von 4F Diagnostikkathetern zurückgeführt werden.
Die zum LHK führende Symptomatik hat sich in den Jahren 1996 bis 1998 nicht wesentlich geändert, auch ist das angiographische Ausmaß des Koronarbefalls und der Schweregrad der Pumpfunktionseinschränkung des Myokards im wesentlichen gleich geblieben (Tab. 2). Bei den Therapievorschlägen scheint sich ein Trend zur häufigeren medikamentösen Therapie bei einem rückläufigen Trend für PTCA-Indikationen und für operatives Vorgehen abzuzeichnen (Tab. 2).
Koronarintervention (PTCA):
Sowohl für Männer als auch für Frauen zeigte
sich eine leichte Zunahme des mittleren Alters - vor allem bei
den Frauen (Tab. 4). Besonders auffallend war der Anstieg der
Anzahl von Überweisungen aus anderen Instituten von 14,5%
(1996) auf 46,9% (1998, Tab. 4). Die mittlere Dauer des PTCA-Eingriffs
ging von 1997 bis 1998 von 57 auf 45 Minuten zurück. Die
Erfolgsrate blieb sowohl für Koronarstenosen als auch für
Rekanalisationen chronischer Verschlüsse im wesentlichen
gleich (Tab. 4).
Wie früher [57] können auch für 1998 einige PTCA-Eckdaten des BNK mit dem Register der Arbeitsgemeinschaft leitender Krankenhauskardiologen (ALKK) verglichen werden [16] (Tab. 5). Bei praktisch identischem mittleren Alter und Frauenanteil war auch die Zusammensetzung des Krankengutes hinsichtlich des Ausmaßes der Gefäßerkrankung vergleichbar (Tab. 5). Der Anteil an Rekanalisationen war im BNK- und ALKK-Register mit ca. 15% identisch (Tab. 5). Die Unterschiede hinsichtlich der linksventrikulären Auswurffraktion könnten eventuell durch unterschiedliche Definitionen des Ausmaßes einer Pumpfunktionseinschränkung erklärt werden (Tab. 5). Während 1996 noch der Anteil an Interventionen bei akutem Myokardinfarkt für BNK und ALKK mit 5,8% bzw. 5,5 % praktisch identisch war [57], zeigt sich jetzt ein Trend zur steigenden Patientenzahl mit akutem Myokardinfarkt und instabiler Angina pectoris in den ALKK-Krankenhäusern (Tab. 5).
Hinsichtlich der Komplikationen ist die Häufigkeit akuter Koronarverschlüsse und die der notfallmäßigen Bypassoperationen in beiden Registern identisch (Tab. 5). Die Unterschiede hinsichtlich der Komplikationen Tod und akuter Myokardinfarkt könnten durch die unterschiedlichen Anteile an Patienten mit instabiler Angina pectoris bzw. durch die unterschiedliche Intensität der Erfassung eines Myokardschadens erklärt werden: Im ALKK-Register wurde die CK als wichtiges Infarktkriterium [24] abgefragt, dies war im BNK-Register nicht der Fall.
Die "prognostische Indikation" zur PTCA ist nach wie vor umstritten. Sie wurde im BNK-Register in 9,4% und im ALKK-Register mit 7% vergleichbar häufig gestellt. Unter Betrachtung des Krankheitsverlaufes nach einer PTCA einschließlich der folgenden Jahre, könnte die prognostische Indikation möglicherweise durchaus Gesamtkosten einsparen [40].
Im Vergleich zu den USA [28] war das mittlere Alter der PTCA-Patienten im BNK- und im ALKK-Register niedriger: in den USA beträgt der Anteil älterer Patienten von über 65 Jahren 45% [28]. Hier besteht für Deutschland möglicherweise Nachholbedarf, zumal gerade ältere Patienten am meisten von einer PTCA profitieren [22].

Tabelle 5: Vergleich einiger PTCA-Charakteristika des BNK mit denen des ALKK für 1998 [16].
"Mengenentwicklung":
Aufregung brachte der letzte "Bruckenberger-Bericht"
mit weiterhin steigenden Zahlen sowohl für den LHK als auch
für die PTCA [5,56]. Die "Gretchenfrage" allerdings,
wieviel LHK bzw. PTCA zur adäquaten Versorgung der Bevölkerung
wirklich erforderlich sind, wurde bislang nicht beantwortet. Der
häufig gemachte Vergleich mit anderen Europäischen Staaten,
insbesondere Frankreich und Italien ist sehr komplex, da dort
unterschiedliche Lebensweisen, Ernährung und genetische Aspekte
eine Rolle spielen [48, 61]. In Hinblick auf die invasive Versorgung
gibt es erhebliche Unterschiede - auch zwischen einzelnen Staaten
der Industrieländer [3, 48, 64, 66]. Hinsichtlich der PTCA
pro 1 Mio Einwohner stand Deutschland im Jahre 1998 mit 1667 an
dritter Stelle hinter Holland (1933) und Belgien (1669) [5]. Auch
für die einzelnen Regionen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland
gibt es Unterschiede [65]. Hier konnte gezeigt werden, daß
eine Beziehung zwischen der Häufigkeit von Herzkatheteruntersuchungen
und der kardiovaskulären Mortalität besteht - mit einer
geringeren Mortalität in den Regionen erhöhter Katheterfrequenz
[4]. Umstritten ist nach wie vor die routinemäßige
Kontrollangiogrpahie 6 Monate nach Stentimplantation [13, 46],
für die eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes
gezeigt werden konnte [45].
Überraschenderweise ist die Zunahme der LHK-Zahlen in den Praxen 1998 nicht mehr nachweisbar: Trotz Zunahme der Anzahl von 67 (1997) auf 75 Katheterpraxen (1998) ist die Gesamtzahl der LHK in diesen Praxen von 88304 auf 88134 zurückgegangen [32]. Im gleichen Zeitraum stieg in den Krankenhäusern die Anzahl der LHK von 390533 auf 422376 [32] (Tab. 6). Die entsprechende Entwicklung für PTCA geht aus Tabelle 6 hervor.

Tabelle 6: Anzahl der Praxen und Krankenhäuser mit Katheterlabors,
in denen LHK bzw. PTCA durchgeführt werden. Während
bei den diagnostischen Herzkatheteruntersuchungen in den Krankenhäusern
eine weitere Steigerung zu beobachten ist, ging in den Katheterpraxen
die Gesamtanzahl der diagnostischen Linksherzkatheter von 1997
auf 1998 trotz 8 neu hinzugekommener Katheterlabore zurück.
QUALITÄTSSICHERUNG, MONITORING UND LEITLINIEN
Leitlinien gewinnen zunehmend an Bedeutung, da bei ihrer Befolgung
ein besserer Krankheitsverlauf zu erwarten ist [21, 50, 58]. Allerdings
garantiert das Befolgen von Leitlinien nicht automatisch ein besseres
Langzeitergebnis [17, 60]. Leitlinien sind nur sinnvoll, wenn
ihre Einhaltung durch ein Monitoring, d. h. der Besuch von HK-labors
durch Aussenstehende überwacht wird [11, 30]. Auch der BNK
hat ein solches Monitoringsystem etabliert.
Die in letzter Zeit als Merkmal der Qualität häufig
propagierte Zertifizierung nach DIN EN ISO 8402 oder 9001 allein
[26] gibt lediglich Auskunft über den Ablauf (Prozessqualität),
nicht aber über die Qualität der Indikation, der technischen
Durchführung und des Ergebnisses (Tod, Myokardinfarkt, akuter
Gefäßverschluß, dringliche, erneute Revaskularisation
u.s.w.). In der zum 1.10.1999 in Kraft getretenen "Qualitätssicherungs-Vereinbarung
als Voraussetzung zur Ausführung und Abrechnung invasiver
kardiologischer Leistungen gemäß §135 Abs. 2 SGB
V" [14] haben sich die niedergelassenen Kardiologen strenge
Maßstäbe auferlegt [36]. Jeder Vertragsarzt muss jetzt
mindestens 150 diagnostische LHK bzw. mindestens 50 PTCA pro Jahr
kontinuierlich durchführen [63]. Da "identische Eingriffe
nicht unterschiedlichen Qualitätsanforderungen unterworfen
werden können", wurde im Deutschen Ärzteblatt eine
"auch für den stationären Sektor identische Regelung
zur Qualitätssicherung" gefordert [43]. Diese "Flugscheinregelung"
ist durchaus sinnvoll, da zwischen der Häufigkeit der Eingriffe
pro Untersucher und der Komplikationsrate eine gesicherte, enge
Beziehung besteht [7, 12, 18, 19, 23, 29, 31, 33, 41, 42, 47,
59]. Diese verläuft allerdings komplex und nicht linear [15].
Zur Prüfung der Qualität der technischen Durchführung
und des Ergebnisses gibt es in einigen KV-Bezirken zusätzliche
Strukturen, so besteht z.B. in Bayern ein durch die Kassenärztliche
Vereinigung (KVB) bestelltes Gremium, welches - auch unter Einbeziehung
von Krankenhausärzten als Prüfer - stichprobenartig
jedes Quartal die Qualität der technischen Durchführung
und das Akutergebnis von PTCA begutachten [39]. Die größte
Herausforderung an die Qualitätssicherung für Koronarinterventionen
ist die Prüfung der Indikation, da hier selbst erfahrene
Gutachter nur selten vollständig übereinstimmen [2,
54, 67]. Offen bleibt, wer die - nicht unbeträchtlichen -
Kosten für die Datenerfassung, -auswertung und das Monitoring
übernehmen soll [37].
Neue Regelungen zur Vergütung von ärztlicher Leistung und Materialkostenerstattung:
Zum 1. April 1999 wurde für die vertragsärztliche Invasivkardiologie sowohl die Vergütung der ärztlichen Leistung als auch das System der Materialkostenerstattung komplett geändert:
Für die Durchführung eines diagnostischen Linksherzkatheters sieht der neue EBM pauschal 10000 Punkte vor; bei einem Punktwert von 5 Pfennig entspricht dies DM 500,-. Dieser Betrag wird pro Patient lediglich 1x pro Quartal ausbezahlt - unabhängig von weiteren Katheteruntersuchungen (sogen. "Leistungskomplexhonorar"). Leider beinhaltet dieser Betrag auch die gesamte invasive und nichtinvasive periphere Gefäßdiagnostik sowie die eventuell dem LHK vorausgegangene oder eine sich anschließende Myokardszintigraphie. Die ärztliche Leistung der PTCA wird jetzt mit 9500 Punkten (als Zuschlagsziffer) vergütet, also bei obigem Beispiel mit DM 475,- und unabhängig von der Komplexizität des Eingriffes. Eine zusätzliche Vergütung für Stentimplantationen (in Analogie zu den Privatpatienten) gibt es für Patienten mit gesetzlicher Krankenversicherung nicht.
Glücklicherweise konnte die in Deutschland völlig
uneinheitliche und verwirrende [57] Erstattung der bei den Katheteruntersuchungen
anfallenden Materialkosten jetzt in Form von Materialkostenpauschalen
vereinfacht werden, so daß jetzt auch bundeseinheitlich
die Notwendigkeit, Rechnungen von Lieferfirmen den Krankenkassen
bzw. der KV vorzulegen, - und somit automatisch jeder Betrugsverdacht
- entfällt. Die Berechnungsgrundlage für die Materialkostenpauschale
LHK und PTCA ist in den Tabellen 7 und 8 aufgeführt. Der
Materialkostenanteil für LHK ist mit DM 355,- im Vergleich
zum Sachkostenanteil der Sonderentgelte für Krankenhäuser
(DM 850,-) deutlich niedriger [55]. Gleiches gilt auch für
den Materialkostenanteil für die PTCA einer Eingefäßerkrankung:
vertragsärztlich DM 2070,-, krankenhausärztlich DM 5430,-.
Für die eher seltene PTCA von mehreren Gefäßen
bei Zwei- oder Dreigefäßerkrankung in einer Sitzung
ist im vertragsärztlichen Bereich DM 3420,- vorgesehen, im
krankenhausärztlichen Bereich DM 5430,-. Unter diesen stringenten
Voraussetzungen ist die Einführung von Innovationen im vertragsärztlichen
invasiven Bereich praktisch unmöglich.
Als "Stentfaktor" wurde im "Warenkorb" für Vertragsärzte 0,5 angesetzt, d.h. die Materialkostenpauschale geht davon aus, daß im Mittel jeder zweite PTCA-Patient einen einzigen Stent bekommt (Tab. 8). Nicht berücksichtigt blieb, daß bei Stentimplantationen auch mehre Stents pro Patient eingesetzt werden können. Im ALKK-Register betrug die Stentimplantationsrate 1998 58,5% [16], im Register der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung für das gleiche Jahr 48,1% [32]. In Europa steht Deutschland mit 707 Stentimplantationen pro 1 Mio Einwohner an sechster Stelle hinter Holland (1611), Belgien (984), Island (815), Frankreich (805) und der Schweiz (721) [5]. Angaben, wieviele Stents pro Patient implantiert werden, gehen aus keiner der drei Datenbanken hervor. In den USA zeigt sich ein eindeutiger Trend zu häufigeren Stentimplantationen von 1996 44%, 1997 58% und 1999 71% [28]. Der Vorteil einer zunehmenden Häufigkeit von Stentimplantationen wird durch eine erst kürzlich erschienene Studie untermauert, in der bei einer großzügigeren Indikation zur Stentimplantation (strenge Indikation nur bei 35% aufgrund von Dissekaten und ungenügenden Primärergebnissen) bessere Langzeitergebnisse erzielt wurden, so daß sich eine optimale Gesamtstentimplantationsrate von 89% ergab [25].
| Produkt |
Einzelpreis |
Anzahl |
Gesamtpreis netto |
MwSt-Satz (%) |
Gesamtpreis (DM) |
| Einführungsbesteck |
24.00 |
1 |
24,00 |
16 |
27,84 |
| Führungsdraht |
10,00 |
1,2 |
12,00 |
16 |
13,92 |
| Koronarkatheter |
27,00 |
3,5 |
94,5 |
16 |
109,62 |
| Hahn-Bank 2-Wege |
9,00 |
1 |
9,00 |
16 |
10,44 |
| Druckleitung für Druckdom |
0,50 |
1 |
0,50 |
16 |
0,58 |
| Injektionsspritze |
0,11 |
1 |
0,11 |
16 |
0,13 |
| Periphere Verweilkanüle |
3,50 |
1 |
3,50 |
16 |
4,06 |
| Handschuhe |
3,50 |
1 |
3,50 |
7 |
3,75 |
| Druckdom |
9,50 |
1 |
9,50 |
16 |
11,02 |
| Injektomat-Spritze |
4,50 |
1 |
4,50 |
16 |
5,22 |
| Infusionsbestecke |
1,70 |
2 |
3,40 |
16 |
3,94 |
| Lochtuch 45x90 |
3,50 |
1 |
3,50 |
16 |
4,06 |
| selbstklebend | |||||
| Abdecktuch |
5,00 |
1 |
5,00 |
16 |
5,80 |
| BV-Hauben |
3,50 |
3 |
10,50 |
16 |
12,18 |
| Rotierhilfe |
12,00 |
1 |
12,00 |
16 |
13,92 |
| Massenartikel |
28,88 |
1 |
28,88 |
16 |
33,50 |
| Kontrastmittel |
0,64 |
130 ml |
83,20 |
16 |
96,51 |
| Summe |
356,49 |
||||
Tabelle 7: "Warenkorb" der Materialkostenpauschale
für Vertragsärzte nach GO-Nummer 7250 für diagnostische
Linksherzkatheteruntersuchungen. Von der KV wird pauschal die
Summe von DM 350,- pro LHK erstattet.
| Produkt |
Eingefäß-Dilatation |
||||
|
Einzelpreis (DM) |
Anzahl |
Gesamtpreis netto (DM) |
MwSt-Satz (%) |
Gesamtpreis (DM) |
|
| Ballonkatheter |
520,00 |
1,5 |
780,00 |
16 |
904,80 |
| Führungsdraht |
130,00 |
1,4 |
182,00 |
16 |
211,12 |
| Führungskatheter |
130,00 |
1,3 |
169,00 |
16 |
196,04 |
| Massenartikel |
28,88 |
1 |
28,88 |
16 |
33,50 |
| Torquer |
15,00 |
1 |
15,00 |
16 |
17,40 |
| Pumpe, Indeflator |
40,00 |
1 |
40,00 |
16 |
46,40 |
| Y-Konnektor |
56,90 |
1 |
56,90 |
16 |
66,00 |
| Einführbesteck |
25,00 |
1 |
25,00 |
16 |
29,00 |
| Stent |
850,00 |
0,5 |
425,00 |
7 |
454,75 |
| Kontrastmittel |
0,64 |
150 ml |
96,00 |
16 |
111,36 |
| Summe |
2070,37 |
||||
| Produkt | Mehrgefäß-Dilatation |
|||
Anzahl |
Gesamtpreis netto (DM) |
MwSt-Satz (%) |
Gesamtpreis (DM) |
|
| Ballonkatheter | 1 |
520,00 |
16 |
603,20 |
| Führungsdraht | 1 |
130,00 |
16 |
150,80 |
| Führungskatheter | 0,7 |
91,00 |
16 |
105,56 |
| Massenartikel | ||||
| Torquer | ||||
| Pumpe, Indeflator | ||||
| Y-Konnektor | ||||
| Einführbesteck | ||||
| Stent | 0,5 |
425,00 |
7 |
454,75 |
| Kontrastmittel | 50 ml |
32,00 |
16 |
37,12 |
| Summe | 1351,43 |
|||
Tabelle 8: "Warenkorb" der Materialkostenpauschalen
für Vertragsärzte nach den GO-Nummern 7251 (Eingefäßdilatation)
und 7252 (Mehrgefäßdilatation). Für eine Eingefäß-Erkrankung
werden von der KV DM 2070,-, für eine Mehrgefäßdilatation
zusätzlich DM 1350,- erstattet.
Zusammenfassend ist festzustellen, daß die elektronische
Erfassung der QuiK-Datenbank erfreulicherweise auch 1997 und 1998
fortgesetzt werden konnte. Die zentrale Auswertung ist anonymisiert
und gestattet den Vergleich einer individuellen Katheterpraxis
mit den Ergebnissen der Gesamtgruppe [57]. Trotz zunehmender Anzahl
von Katheterpraxen ist die Gesamtanzahl der diagnostischen Linksherzkatheter
in Deutschland 1998 zurückgegangen [32].
- Literatur:
- 1. Albrecht A, Levenson B und der Arbeitskreis integrierte
Gesundheitsversorgung. Wege zu einer integrierten Gesundheitsversorgung
in Deutschland am Beispiel kardiologischer Patienten. Herz 1999;
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- Korrespondenzanschrift:
- Prof. Dr. med. Sigmund Silber
Herzkatheterlabor der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis
in der Klinik Dr. Müller
Am Isarkanal 36
81379 München
Tel: 089 - 7421510
Fax: 089 - 742151-99
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